Eike Tiedemann
Der Frühling naht


MiG 1-2013
Vogelstimmen und ein Gedicht - vom Lauschen zum Selbergestalten
MiG 1-201
MiG 1 Woran merkt man als erstes, dass der Frühling naht? Singt ein Vogel, singt ein Vogel, singt im Märzenwald - man hört die ersten Vögel zwitschern! Auch in der Stadt mischt sich zum Tropfen der Schneeschmelze der Ruf der Kohlmeise: Zizibe, zizibe, Sonn vertreibt den letzten Schnee!
Wer in die Natur hineinlauscht, kann sie besser verstehen - ob nun in Stadt oder Land! Vor einem Vogelstimmen-Hörtraining imitieren Kinder Vogelstimmen meist nur mit "piep, piep", aber nach einigen Wiederholungen können sie immer mehr Vögel benennen und einordnen. Sie unterscheiden dann Tonhöhen, Melodiebewegungen, Rhythmus und Klangfarben und können sie identifizieren. Wiederkehrende Muster und Strukturen werden erkannt. Durch diese Wahrnehmungen wird das Singen besser und sicherer, deswegen werden gleich bewährte Volkslieder dazu kombiniert.
Traditionell überlieferte Sprachsätze, um eine Vogelstimme zu imitieren, helfen beim Wiedererkennen. So ruft die Kohlmeise "zizibe" oder "sitzida". In einer Gruppenarbeit können Vogelabbildungen zum Aufhängen in der Klasse aufgeklebt, eingerahmt und beschriftet werden. Zusätzlich zum Vogelnamen kann auch der Erkennungssatz auf der Abbildung noch Platz finden.
Beim Vorspielen der Vogelstimme von der CD wird erst zugehört, in einem nächsten Schritt der jeweilige Satz dazu gesprochen, gesungen oder die dazugehörige Geste ausgeführt. Dann erst wird der Vogelname genannt und vielleicht ein Bild des Vogels gezeigt.
Diese Reihenfolge der Vogelrufe und -lieder hat sich bewährt:

Einen Kuckucksruf vorspielen: "Welcher Vogel ruft sonst noch seinen eigenen Namen?" Der Zilpzalp!
Die Blaumeise beginnt sehr hoch (Geste "hoch" mit der Hand vormachen): "Zizizerr".


Der Hausrotschwanz schmatzt in der Mitte seiner Strophe. 
Der Buchfink ruft "Ich schreib, ich schreib an die Regierung!"


Die Goldammer singt: "Wie hab ich dich so lieb!"
Die Kohlmeise ruft "Sitzida!"
Die Amsel flötet (Mimik: flöten) und macht "teck teck teck", wenn eine Katze in der Nähe herumschleicht.


Der Spatz tschilpt - mit diesen lautmalerischen Verben lassen sich die beiden letztgenannten Vögel am besten erkennen.
Der lauteste und dabei kleinste Vogel ist der Zaunkönig. Dazu formen die Hände ein Megaphon.

Es lohnt sich, für das Vogelstimmenerkennen regelmäßig fünf Minuten einzuplanen: bereits gelernte Vögel werden erraten, und jedes Mal kommt ein Vogel dazu. Dazu werden die Vogelstimmen vorgespielt und die Kinder hören zu, dann erst (!) singen siemit oder machen die Geste dazu.

Vorschläge für Vogel-Lieder
Singt ein Vogel, singt ein Vogel, singt im Märzenwald 
Zizibe ... - ein Kinderlied, das sich leicht solmisieren lässt: so-so-mi, so-so-mi, so-so-mi-la-so-so-mi  
Alle Vögel sind schon da  
Die Vogelhochzeit - besonders gut zum Lernen von Vogelnamen! Wenn das Lied in folgenden Stunden wiederholt wird, kann das dreimalige "Fiderallala" verteilt werden: Erste Gruppe, zweite Gruppe, dann alle zusammen. Die Wechsel kann ein Kind dirigieren. Mit "Dirigieren" sind hier keine Taktschlagfiguren gemeint, sondern Zeichen für die Einsätze der jeweiligen Gruppen.

Material
Vogelbilder: können die Kinder von zu Hause mitbringen.  
Vogellieder: Noten sind im Internet gut zufinden und auf youtube auch passende Videoclips.  
Vogelstimmen-CDs: sind ebenfalls leicht zufinden - oft stehen in Sachbüchern dazu weitere Hörhilfen und Merkverse.


Eduard Mörike: Er ist's!

Die Jungen Dichter und Denker haben mit pfiffig arrangierten Raps deutsche Gedichte und Balla-den kinderzimmertauglich gemacht. Das Gedicht Er ist's von Eduard Mörike wird am Platz mitgetanzt und mitgerappt und nach ein paar Wiederholungen kann man es schon fast auswendig.
Die Lehrkraft fragt die Kinder: "Woran merkt man, dass Frühling ist?" Auch mitten in der Stadt flötet eine Amsel, ist es länger hell und wird wärmer, und die Bäume und Büsche im Park werden grün. Das Gedicht wird dann zu sammen an der Tafel oder von einem Plakat gelesen. Wie hat der Dichter Eduard Mörike vor 184 Jahren den beginnenden Frühling beschrieben? Welche der fünf Sinne kommen im Gedicht vor? Welche Farben? Welche Adjektive? Was meint Eduard Mörike mit dem "blauen Band"?

Wir stellen uns vor, dass wir das Gedicht für eine Radiosendung gestalten: Es gibt für die zehn Zeilen fünf Gruppen. Jede Gruppe liest immer ihre zwei Zeilen zunächst vor. Das darf, muss aber nicht im Rap-Stil sein. Dann gestaltet sie den Inhalt der Zeilen laut Aufgabenkarte. Die Gruppe kann entscheiden, ob alle zusammen oder einzelne Kinder oder einzelne Kinder nacheinander sprechen bzw. singen. Ein Kind "dirigiert" dabei und zeigt damit Beginn, Schluss, Tempo und Lautstärke an, damit die Gruppe das auch gut ausführen kann, was sie geplant hat. Diese Ausführung der Aufgabenkarten üben zuerst alle zusammen, bevorsich die Gruppen an ihre zwei Zeilen begeben. Für jede zwei Zeilen stehen 30 Sekunden zur Verfügung. Ein "Zeitnehmer" zeigt Start und Stopp an. Nach dem Ende des Gedichts kommt ein echter Radioabspann: "Das war das Gedicht Er ist's von Eduard Mörike. Es sprachen: Lina, Benny, Lea, Max …"
Zu diesem Gedicht in der Radiosendung wird es allerdings einen Leserbrief aus einer Seniorenresidenz geben. Dort fand man, dass das Gedicht zwar verständlich gestaltet wurde, aber dass ein Gedicht früher nur aus den vom Dichter gedichteten Zeilen bestehen durfte. "Na, wer will noch eine Aufnahme für die Senioren machen?" Ein Aufnahmegerät wird in jeder Schule zur Verfügung stehen.
Im Anschluß an die Gruppenarbeit wird das ganze gestaltete Gedicht zusammen aufgenommen. Nach einem Durchlauf kann es einzelne "Nachaufnahmen" geben, aber es lohnt sich, Durchläufe aufzunehmen, um das Zuhören und das Aufführen "auf denPunkt" zu üben. Wenn die Aufnahme im mp3-Format möglich ist, ist das ein schönes Geschenk zum Muttertag, versendet über den Eltern-Mailverteiler. Man braucht fünf Gruppen, und für Extraaufgaben (Differenzierung) einen Dirigenten und einen Zeitnehmer pro Gruppe, einen Radioansager für den Abspann, und ein bis drei Sprecher für das pure Gedicht in seiner gedruckten Form - es kann ja ruhig dreimal interpretiert werden!


Der Kuckuck, der nicht "Kuckuck" rufen konnte

Dies ist eine Stimmaktions-Geschichte, die mit einem Erzähler oder einer Erzählerin inszeniert und aufgeführt werden kann. Erste Fragen zur Einstimmung können sein:
Wohin legt der Kuckuck seine Eier?  
Wo schlüpft ein Kuckucksjunges? 
Von wem lernen Vogelküken Zwitschern?
Die Geschichte und Regieanweisungen befinden sich im Kasten.


Einbeziehen mehrerer Kinder
Für eine Wiederholung der Geschichte und das Einbeziehen mehrerer Kinder werden Gruppen ("Vogelnester") eingeteilt. Der schon bekannte kleine Kuckuck fliegt diesmal zu den einzelnen Nestern und die Lehrkraft sagt, welche Vögel das waren. Die Kinder imitieren den Merksatz oder den Vogelruf.
Als Abwechslung können bekannte Liedanfänge wiederholt werden. Die Vögel heißen dann nicht Blaumeise, sondern nach einem Liedanfang (sozusagen ein fantastischer Name). Auch diesen kann das Kuckucksküken nicht singen, es krächzt nur kurz. Ein mutiges Kind, das aber beim Singen von hohen Tönen in der Kopfstimme Schwierigkeiten hat, steht in der Kuckucksrolle im Mittelpunkt. Alle Kinder fühlen sich dem kleinen Kuckuck überlegen, weil sie natürlich "Kuckuck" rufen können. Dadurch wird die Tonvorstellung (und nebenbei Geduld und Zuhören) geübt. In der Vogel­nester-Aufteilung müssen sie sich gegenseitig zuhören und sind gleichzeitig Experten, denn sie kennen die Liedanfänge auch. Die meisten Kinder imitieren Vögel mit hoher Stimmgebung, was auf ungezwungene Weise die Kopfstimme fördert. Durch das Imitieren wird die eigene Hörwahrnehmung geschärft und damit auch die eigene Stimmgebung. Mit weiteren Kuckucksliedern können Wiederholungen in den nächsten Stunden variiertwerden:
Kuckuck, Kuckuck, ruft aus dem Wald 
Dieser Kuckuck, der mich neckt: Vor der geöffneten Klassentür stehen drei Kinder, die immer den Kuckucksruf hereinsingen. Besonders aufregend ist, dass nur am Schluss zweimal "Kuckuck!" gesungen wird. Die Klasse schweigt während des kleinen Solos, kann aber die Solmisations-Handzeichen für "so-mi" machen. Eine weitere Variation wäre, mit einer solmisierende Klasse anstatt "Kuckuck" "so-mi" singen zu lassen. 
Der Kuckuck und der Esel: Die zweite Strophe auf eine Kuckuck- und eine Esel-Gruppe verteilt singen lassen. 
Auf einem Baum ein Kuckuck beinhaltet die Schnellsprechübung "Simsaladim bambasala dusaladim". Wenn das letzte Wort der jeweiligen Strophe gesungen wird, kann man es mit einer Handbewegung begleiten, als würde man eine Tischdecke glattstreichen. So wird die laute Landung auf dem tiefen Schlusston vermieden, die eine raue Stimmgebung begünstigen könnte. Stimmbildnerisch klug ist an dieser Stelle die kaum gespannte Hand, die eine Ebene durchmisst. Sie lässt Balance und Koordination fühlen und fördert damit die Kopfstimmgebung.
Vielleicht muss man erklären, dass früher Vögel, die als unnütz galten, geschossen wurden. Der arme Kuckuck im Lied ist dann zwar tot, aber die Kuckucke sind nicht ausgerottet, und das Lied findet damit ein tröstliches Ende.

1 Aufgabenkarte - Gruppe 1                                      


2 Aufgabenkarte - Gruppe 2                                      


3 Aufgabenkarte - Gruppe 3                                      


4 Aufgabenkarte - Gruppe 4                                      


5 Aufgabenkarte - Gruppe 5                                      



6 Promenade des Kuckucks                © M & T: Eike Tiedemann



Hörprobe